Wie die Schweizer Porsche auf die Erfolgsspur brachten?

Die Schweiz und Porsche haben eine sehr enge und lange Beziehung: Seit der Gründung der Marke war die Schweiz deren erster Markt. Diese Beziehung spiegelte sich mit dem Kauf des ersten Porsche-Fahrzeug durch einen Schweizer Bürger. Der allererste in Gmünd montierte Mittelmotor-Porsche, der Porsche-Prototyp Nr. 1 (356/1-001), wurde am 8. Juni 1948 mit dem Kennzeichen K 45.286 zugelassen und noch am selben Tag dem Schweizer Unternehmer Rupprecht von Senger verkauft, der in dieser neuen Automarke grosses Potenzial sah.

 

Finanzieller Vorschuss

Bereits 1947, als die Produktion aufgenommen wurde, unterstützte von Senger Ferdinand Porsche finanziell entscheidend, insbesondere durch den Vorabkauf von Ersatzteilen und Leichtblechen schweizerischer Herkunft, die für die Herstellung des Wagens benötigt wurden. Dies ermöglichte die Gründung der Firma. Im Gegenzug erhielt von Seger das Recht, die ersten 5 Porsches in die Schweiz zu importieren und zu verkaufen, mit einer Option auf die nächsten 50. Der Vertrag betraf den Kauf der 356/01-001 sowie die 4 Coupés 356/2-001 bis 004.

Einen Monat später, am 3. Juli 1948, stellte von Senger im Vorfeld des Grossen Preises der Schweiz seinen 356/1-001 den Journalisten auf der Rennstrecke von Bremgarten für eine Testfahrt zur Verfügung.

 

Ausstellungsraum in einem Hotel in Zürich

Über die Vermittlung von Rupprecht von Senger kam Ferry Porsche mit dem Zürcher Hotel und Autohändler Bernhard Blank in Kontakt. Blank baute einen Teil seines Hotels in einen Ausstellungsraum um. Im Winter 1948 stellte er das erste Porsche 356/2 Coupé vor.

Ein Jahr später unternahm Blank Schritte, um die Präsenz von Porsche auf dem Genfer Automobilsalon sicherzustellen, wo ein 356/2 Coupé und ein 356/2 Cabriolet vorgestellt wurden.

 

Zahlreiche Einkäufer aus den technischen Berufen

Es ist kein Zufall, dass ausgerechnet die Schweizer von Anfang an einen Porsche adoptiert haben. In der Tat waren die ersten 356 in erster Linie ein Produkt für technikinteressierte Menschen, und davon gab es in der Schweiz viele. Ursprünglich kamen viele Käufer aus den technischen Berufen: Architekten oder Ingenieure. Sie schätzten besonders den puristischen Aspekt des Autos. Im Vergleich zu anderen Sportwagen waren die Porsches eher einfach, weil das Hauptaugenmerk auf dem Fahrvergnügen lag. Bis Ende 1949 waren 27 Einheiten dieses handgefertigten Sportwagens verkauft worden.

 

Frauen und Porsche

Der erste Verkauf des Importeurs Blank fand im Frühjahr 1949 statt. Ein Porsche 356/2 Cabriolet wurde von einer Frau namens Jolanda Tschudi aus Zürich gekauft (Foto). Sie gilt als die erste Kundin von Porsche in der Welt. Mit einem Segelflieger hielt Tschudi den Schweizer Rekord für Flughöhe (5000 Meter). In der zweiten Hälfte der 1940er Jahre nahm Jolanda regelmässig an Expeditionen nach Afrika teil. Als sie 1949 zurückkehrte, wartete ihr nagelneuer Porsche auf sie. Sie machte viele Reisen damit, bis sie auf dem Weg zu einem Segelfluglager beschädigt wurde.

 

Erwähnenswert ist, dass Jahre später auch der 1948er Porsche 356/1-001 einer Frau, einer Schweizer Schauspielerin und Künstlerin namens Elisabeth Spielhofer, gehörte und von ihr geerbt wurde.

 

Nur wohlhabende Autofahrer konnten einen Porsche kaufen, denn ein Coupé kostete 14.500 Schweizer Franken und die Cabrio-Version 16.500 Schweizer Franken, was damals eine beachtliche Summe war.

 

In jüngster Zeit werden in China, das inzwischen zum weltweit grössten Markt für die Marke geworden ist, jeder 3. Porsche an Frauen verkauft. In diesem Land werden 42% der 911er von Frauen gefahren.

 

Es gibt nur noch drei übrig

Neben dem 356/1-001, der sich im Porsche-Museum in Stuttgart befindet, ist von den ersten 4 Coupés, die von Senger erworben hat, nur der 356/2-004 erhalten geblieben. In ähnlicher Weise ist von den insgesamt 6 produzierten Beutler-Cabriolets nur noch der 356/2-003 "lebendig". Beide befinden sich in einem Museum in Basel, Schweiz, das damit die beiden ältesten Produktionsporsches der Welt besitzt.

 

 

Die Wandelanleihen der Gebrüder Beutler.

Die ersten sechs 356/2-Cabriolets wurden tatsächlich nicht vollständig in Gmünd, sondern in Thun (Nähe von Bern) von der Karosseriewerkstatt der Gebrüder Beutler gebaut (Link). Die Fahrgestelle wurden dorthin transportiert und die Karosserie wurde auf Kundenwunsch von Hand angefertigt.

 

Die Geschichte des letzten oben erwähnten "Überlebenden" 356/2-003 ist ziemlich einzigartig. Es wurde zuerst 1950 nach Ägypten an König Farouk geliefert und 1952 an die Schweiz zurückgegeben. Er wechselte mehrmals den Besitzer, seit 1960 ist er im Besitz einer Schweizer Familie aus dem Raum Bern und befindet sich heute in einem Museum in Basel.

 

Dieses Unternehmen, das 1987 verschwand, stellte sein Know-how auch etwa zwanzig anderen Marken zur Verfügung.

 

Die ersten sechs 356 Cabriolets tragen den Stempel "Swiss Made". Zusammen mit Österreich, Deutschland, Belgien (356 Roadster D'Ieteren), Italien (356 Carrera GTL Abarth) und Finnland (bis 2012 wurden bei Valmet in Uusikaupunki mehrere Boxster und Caymans gebaut) ist die Schweiz eines der sechs Länder, in denen Porsches gebaut wurden.

 

Bis heute sind in der Schweiz über 50'000 Porsches registriert. Die Liebesbeziehung zwischen Porsche und den Schweizern dauert bis heute an...

 

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